Berufsorientierung, FSJ und Praktikum

Interviewfragen für Julian

Einstieg

1. Warum hast du dich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden?

Das FSJ sollte mir helfen, nach dem Schulabschluss herauszufinden, welche berufliche Richtung zu mir passt.Ich habe mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten entschieden, um Einblicke in die pädagogische Arbeit mit Kindern zu bekommen und dabei meine sozialen Kompetenzen zu stärken. Dabei möchte ich Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und eine strukturierte Arbeitsweise im Kita-Alltag kennen lernen.

2. Was hat dich dazu motiviert, dein FSJ im Kindergarten Schönrasen zu machen?

Ich wollte den Kindergarten kennen lernen durch meine Online-Recherche, weil der Kindergarten Schönrasen christliche Werte mit einem situationsorientierten Ansatz verbindet, bei dem die aktuellen Bedürfnisse und Interessen der Kinder im Mittelpunkt stehen. Ein besonderes Angebot ist die Waldpädagogik, insbesondere durch die Gruppe der „Waldkönige“, die den Alltag für eine naturnahe Entwicklung viel im Freien verbringt.

 Im Tagesablauf wird dem freien Spiel eine hohe Bedeutung beigemessen, da es den Kindern ermöglicht, eigenen Impulsen zu folgen und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Der Kindergarten hat sehr schön gestalte Gruppenräume und ein großes naturnahes und kindgerechtes Außengelände.

Er ist auch für mich gut mit öffentlichem Verkehrsmittel erreichbar.

Nach dem Vorstellungsgespräch schätzte ich persönlich besonders die offene Atmosphäre, das respektvolle Miteinander, und die Möglichkeit, mich in der Praxis weiterzuentwickeln.

Alltag im FSJ

3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich im Kindergarten aus?

Mein typischer Arbeitstag ist folgender: Die Kinder kommen früh, werden begrüßt und ich spiele, male oder bastele mit Ihnen anschließend. Frühstück ist um 8:00 Uhr. Später räume ich auf, wische die Tische ab und kehre das Zimmer Bis ca. 10 Uhr gibt es verschiedene Angebote für die Kinder. Am Vormittag begleite ich die Kinder und Erzieherinnen bei einem Spaziergang, davor helfe ich den Kindern beim Anziehen.  Gegen ca. 12:00 Uhr hole ich den Essenwagen. Mittag essen, dabei teile ich das Mittagessen aus und helfe beim Essen geben. Danach wische ich die Tische und Stühle ab und bringe den Essenwagen weg. Später bereite ich die Betten vor.  Die Kinder machen eine Mittagsruhe, ich beaufsichtige sie. Nach dem Mittagsschlaf stehen die Kinder wieder auf und ich räume die Betten weg. Am Nachmittag gibt es ein Vesper, das ich vorbereite. Danach spiele ich mit den Kindern oder beaufsichtige sie im Haus oder Garten bis zur Abholzeit. Später werden die Kinder abgeholt, und wir verabschieden uns.

Meine Aufgaben sind sehr unterschiedlich im Kindergarten: ich helfe den Erzieherinnen in den Gruppen, in der Küche helfe ich das Geschirr abzuspülen, Essenwagen holen und aufräumen. Bei der Haustechnik z.B. repariere ich Möbel und Spielzeug und Gartenarbeiten.

4. In welchen Gruppen wurdest du bisher eingesetzt und was waren deine Aufgaben dort?

Folgende Gruppen wurde ich eingesetzt:

  • Waldkönige, Seepferdchen, Igel, Minimäuse

Bei allen habe ich folgende Aufgaben erledigt:

  • mit den Kindern spielen in den Gruppenräumen oder Garten, mittags Essen ausgeben, Essenwagen holen und wegbringen, Tische aufräumen und abwischen, Betten vorbereiten und wegräumen, Aufsicht Mittagsschlaf, Nachmittagsmahlzeit vorbereiten, mit den Kindern spazieren gehen, malen und basteln
  • bei den Waldkönige noch am Vormittag in den Wald gehen, dort spielen und basteln in Gruppenaufgaben
  • bei den Minimäuse beim Essen helfen

5. Welche Tätigkeiten machen dir besonders viel Spaß?

Besonders viel Spaß machen mir:

  • Handwerkliche Tätigkeiten: kreative Projekte, beim Bauen und Reparieren, dabei neue Ideen umzusetzen und Dinge zu gestalten.
  • Begleitung der Kinder:  gemeinsamen Aktivitäten und die Freude am Miteinander erleben.
  • Soziale Aufgaben der Kinder: beim Spielen, gemeinsamen Regeln finden, Aufgaben lösen und Lösungen mit den Kindern erarbeiten.

Arbeit mit Kindern

6. Was gefällt dir an der Arbeit mit den Kindern am meisten?

Am meisten gefällt mir das Miteinander mit den Kindern: ihr Staunen, ihre Neugier und wie sie jeden Tag etwas Neues entdecken. Es macht Freude zu sehen, wie sie selbstständig Entscheidungen treffen, miteinander teilen und sich gegenseitig unterstützen. Die kleinen Erfolge, das Lachen und das Vertrauen, das sich aufbauen kann, motivieren mich, sie geduldig zu begleiten und ihnen Orientierung zu geben.

7. Gibt es ein Erlebnis mit den Kindern, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Besondere Erlebnisse mit den Kindern waren der Schneetag im Garten und der Besuch bei den Pferden.

In meinen FSJ durfte ich die Kleinsten bei ihrem Schnee-Abenteuer begleiten und sie behutsam auf dem Schlitten durch den Garten ziehen. Es war großartig hier Vertrauen zu spüren und zu sehen wieviel Freude ihnen das Entdecken der Natur bereitet hat.

Zusammenarbeit & Hausmeistertätigkeiten

8. Du unterstützt auch unseren Hausmeister Herrn Anschütz – was genau machst du dort?

Bei Herr Anschütz habe ich folgende Aufgaben:

  • Gartenarbeiten/Winterdienst, Abfallentsorgung, Kleinreparaturen
  • Reparatur von Möbel, Spielzeug und Werkzeug
  • Maler und Tapezierarbeiten
  • Dekorieren des Turnraumes und Eingangsbereich
  • bei Veranstaltungen helfen

9. Warum arbeitest du auch bei handwerklichen Aufgaben so gerne mit?

Ich arbeite gerne an handwerklichen Aufgaben, weil ich dabei greifbare Ergebnisse sehe: Dinge funktionieren wieder oder sehen besser aus. Das gibt mir Zufriedenheit und Struktur. Wenn ich konkrete Aufgaben vor Augen habe, motivieren mich klare Schritte und sichtbare Fortschritte.

Persönliche Entwicklung

10. Was hast du durch dein FSJ bisher über dich selbst gelernt?

Ich habe gelernt auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und weiß nun, dass ich die nötige Geduld besitze, um für andere Menschen eine verlässliche Hilfe zu sein. Durch die tägliche Zusammenarbeit im Team habe ich meine Kommunikationsfähigkeit gestärkt und gelernt, wie ich mein Einfühlungsvermögen Umgang mit verschiedenen Personen bewusst und konstruktiv einsetzen kann. Ich habe gelernt Probleme zu lösen, auch in schwierigen Situationen.

11. Welche Fähigkeiten konntest du während des FSJ weiterentwickeln?

In meinem FSJ habe ich gelernt, viel sicherer aufzutreten und mein Selbstbewusstsein zu Stärken. Auch wenn es mal stressig wurde, habe ich gelernt, Ruhe zu bewahren und in schwierigen Momenten einfach situationsgerecht zu reagieren. Die Kommunikation und das tägliche Miteinander im Team haben mir geholfen, besser auf andere einzugehen, aber ich konnte auch mein Durchsetzungsvermögen trainieren, wenn es mal darauf ankam.  In der Kita habe ich gelernt Verantwortung zu übernehmen und dabei immer die Kinder im Blick zu behalten, gleichzeitig zum Entdecken ermutigen.

Seminare & Erfahrungen

12. Wie erlebst du die begleitenden FSJ-Seminare?

FSJ-Seminare sind sehr lehrreich und spannend. Man kommt mit anderen FSJler in Kontakt und kann sich austauschen. Die Themen sind sehr interessant und informativ. In den Seminaren lernt man neue Erfahrungen und Kenntnisse.

13. Gibt es Themen aus den Seminaren, die dir im Alltag helfen?

In den FSJ-Seminaren bei der Diakonie Mitteldeutschland habe ich viel über Klimaschutz Kommunikation, Teamarbeit und den respektvollen Umgang mit anderen gelernt. Im Alltag kann ich die Themen aus dem Seminaren umsetzen, indem ich in Konfliktsituationen ruhig bleibe, aktiv zuhöre und andere Meinungen respektiere. Beim Thema Umwelt achte ich bewusster auf nachhaltiges Handeln zum Beispiel durch Müllvermeidung oder einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Für meine persönliche Entwicklung reflektiere ich regelmäßig mein Verhalten versuche, aus Erfahrungen zu lernen und respektvoll mit anderen umzugehen.

Zukunft & Fazit

14. Hat das FSJ deine beruflichen Pläne beeinflusst?

Nach der Schule war ich mir unsicher, ob der pädagogische Bereich zu mir passt oder eher eine handwerkliche oder logistische Ausbildung. Letztlich habe ich erkannt, dass mir praktische Tätigkeiten und handwerkliche, logistische Herausforderungen mehr zusagen. Daher beginne ich nach dem FSJ eine logistische Ausbildung, um meine praktischen Fähigkeiten auszubauen.

15. Würdest du ein FSJ weiterempfehlen – und wenn ja, warum?

Ein FSJ im Kindergarten ist die ideale Gelegenheit, um nach der Schule praktische Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Stärken im Umgang mit Menschen zu festigen. Du unterstützt die Kinder in ihrer Entwicklung und wächst dabei selbst jeden Tag ein Stück über dich hinaus. Es ist eine wertvolle Orientierungsphase, in der du wichtige soziale Kompetenzen sammelst und gleichzeitig etwas wirklich Sinnvolles für die Gemeinschaft tust. Deshalb kann ich ein FSJ im sozialen Bereich weiterempfehlen. 

16. Was würdest du jungen Menschen raten, die überlegen, ein FSJ zu machen?

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) kann jungen Menschen wertvolle Erfahrungen im sozialen Bereich bieten.

Es bietet Einblicke in verschiedene Arbeitsfelder, hilft beim Orientierung finden und beim Aufbau von Fähigkeiten wie Teamwork, Zuverlässigkeit.

Es kann auch helfen, Wartezeiten zu überbrücken (z. B. vor Studium oder Ausbildung) und den Lebenslauf zu stärken. Wichtig ist, dass man sich vorab informiert: passende Einsatzstellen, konkrete Aufgaben, Dauer (in der Regel 6 bis 12 Monate), Vergütung/Unterstützung, und welche Qualifikationen man durch das FSJ erwerben kann. Prüfe, ob das FSJ zu deinen Interessen passt und ob du dich belastbar und offen für neue Herausforderungen fühlst.